Max und Moritz-Preis 2004

Der Max und Moritz-Preis ist die traditionsreichste und angesehenste Auszeichnung in der deutschsprachigen Comic-Landschaft. 1984 anlässlich des 1. Internationalen Comic-Salons Erlangen ins Leben gerufen und von Anfang an von Bulls Press, Frankfurt, gestiftet, wird er in diesem Jahr zum elften Mal verliehen. Der Preis ist eine Auszeichnung, die Maßstäbe im Bereich Comic gesetzt und seit 20 Jahren wesentlich zur Anerkennung der Comic-Kunst im deutschsprachigen Raum beigetragen hat. Mit der Verleihung wird die Arbeit herausragender Künstler gewürdigt, verdienstvolle Verlagsarbeit bestärkt und auf junge Nachwuchstalente aufmerksam gemacht. Darüber hinaus soll mit der Vergabe des Preises die Auseinandersetzung über die qualitativen Kriterien zur Beurteilung von Comics intensiviert werden und eine allgemeinere Verbreitung erfahren.

Die Jury in diesem Jahr
Bodo Birk, Leiter des Internationalen Comic-Salons Erlangen
Andrea Fiala de Ayerbe, Frankfurter Buchmesse
Lutz Göllner, Journalist, Berlin
Harald Havas, Comic-Experte und Journalist, Wien
Herbert Heinzelmann, Journalist und Medienwissenschaftler, Nürnberg
Andreas Platthaus, Journalist, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Suzanne Beck, Beisitzerin, Bulls Press, Frankfurt a.M.

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Die Nominierungen 2004

Kategorie 1
Bester auf Deutsch erscheinender Comicstrip

Tom Breitenfeld, Der kleine König der großen Tiere, Carlsen Comics
Rick Kirkman & Jerry Scott, Baby Blues, Achterbahn
Volker Reiche, Strizz, C.H. Beck
J.P. Toomey, Sherman's Lagoon, Bulls Press

Kategorie 2
Bester deutschsprachiger Comic-Künstler

Jens Harder, Aktueller Titel: Leviathan, éditions de l'An 2
Horus, Aktueller Titel: Wüstensöhne, Egmont vgs

Ulf K., Aktueller Titel: Titus von Götheborg, Edition 52
Mawil, Aktueller Titel: Wir können ja Freunde bleiben, Reprodukt
Volker Reiche, Aktueller Titel: Strizz, C.H. Beck

Kategorie 3a
Beste deutschsprachige Comic-Publikation, Eigenpublikation

diverse, PLAQUE 01, avant
Flix, Held, Carlsen Comics
Jens Harder, Leviathan, éditions de l'An 2
Nicolas Mahler, Kunsttheorie versus Frau Goldgruber, edition selene
Mawil, Wir können ja Freunde bleiben, Reprodukt

Kategorie 3b
Beste deutschsprachige Comic-Publikation, Import

Igort, 5 ist die perfekte Zahl, avant
Mohiro Kitoh, Naru Taru, Egmont vgs / EMA
Jason Lutes, Berlin - steinerne Stadt, Carlsen Comics
Alan Moore / Kevin O'Neill, The League of Extraordinary Gentlemen, I&II Speed
Marjane Satrapi, Persepolis, Edition Moderne

Kategorie 3c
Beste deutschsprachige Comic-Publikation für Kinder / Jugendliche

Elisabetta Gnone, W.I.T.C.H., Egmont Ehapa / Egmont vgs
Aoyama Gosho, Detektiv Conan, Egmont vgs / EMA
Bernd Natke, Benni, Demosthenes Verlag
Stan Saka,i Usagi Yojimbo, Schwarzer Turm

Kategorie 4
Bester internationaler Szenarist

Brian Michael Bendis, Aktueller Titel: Torso, Speed
Mike Mignola, Aktueller Titel: Hellboy, Cross Cult
Joann Sfar, Aktueller Titel: Die Katze des Rabbiners, avant
Rumiko Takahashi, Aktuelle Titel: Maison Ikkoku, Ranma 1/2, Egmont vgs / EMA

Kategorie 5
Spezialpreis der Jury

Comic-Website des ORF http://comics.orf.at
The Spirit - Archive, Will Eisner, Salleck Publications
36 Ansichten des Eiffelturms, André Juillard, Salleck Publications
Jimmy, das Gummipferd, Roland Kohlsaat, Lappan
Wilhelm-Busch-Museum Hannover

Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk
Albert Uderzo, Asterix, Egmont Ehapa / Egmont vgs

 

Die Preisträger 1984–2002

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Kategorie 1
BESTER AUF DEUTSCH ERSCHEINENDER COMICSTRIP

„Vom kleinen König der großen Tiere“ von Tom Breitenfeld
Zu berichten ist von einem kleinen Wunder: Da erscheint seit 1991 einmal alle vierzehn Tage ein Comicstrip auf der Kinderseite einer großen deutschen Tageszeitung – und es ist eine Serie, die auch Erwachsene mit größtem Vergnügen lesen könne und die keinen Qualitätsverlust erleidet. Im Gegenteil: Je länger man „Der kleine König der großen Tiere“ von Tom Breitenfeld liest (und immerhin gibt es neben dem Abdruck in der „Frankfurter Rundschau“ jetzt schon vier Alben, die seine farbigen Strips sammeln), desto intensiver erschließt sich die seltsame Welt seiner sprechenden Tiere, wo ein rauchender Bär regelmäßig das Nest eines etwas tölpelhaften Stelzenvogels besetzt. Wo eine unbeirrt vor sich hinfliegende gigantische Hummel sämtliche Hindernisse einfach aus dem Weg räumt (nicht zuletzt immer wieder den König selbst). Wo dieser König tatsächlich schon vor dem Erfolg des Disney-Films „König der Löwen“ ein Löwenjunges ist, das allerdings über eine gehörige Portion Dreistigkeit und Machtgier verfügt, so dass keine der von Breitenfeld gezeichneten Figuren je in den Verdacht überzuckerter Possierlichkeit gerät. Die Savannengesellschaft, die der 1958 in Flensburg geborene Zeichner ersonnen hat, ist blendend austariert und beschränkt sich nur auf ein rundes halbes Dutzend regelmäßiger Akteure. Diese erzählerische Ökonomie aber ist eine Stärke, weil die einfallsreiche Variation einiger weniger Handlungstopoi die größte Kunst ist, über die ein Comicstrip verfügt. Der Zeichner Breitenfeld, der mit wenigen Strichen die Hintergründe skizziert, legt sein ganzes Augenmerk auf Mimik und Gestik, und er findet dabei die ideale Balance zischen dem ungerührt-stoischen Bären, dem hypernervösen Stelzenvogel und dem jugendlich-großspurigen Löwen. Tom Breitenfeld ist dadurch etwas gelungen, was in Deutschland kaum jemand für sich in Anspruch nehmen kann: Er zeichnet einen im besten Sinne klassischen Strip.
Andreas Platthaus

„Baby Blues” von Rick Kirkman und Jerry Scott
Zugegeben, am Anfang haben mich Rick Kirkmans Zeichnungen nicht vom Hocker gerissen. Ein braver Funny-Stil ohne viel originärem Beitrag, außer vielleicht der Nase der Figur des Vaters - und die fand ich zu groß. Von Jerry Scott dagegen brauchte mich niemand zu überzeugen: seit ich Zits gelesen habe, weiß ich um seine Gabe gute Gags zu schreiben, Wahres und Erhabenes ebenso in vier Bilder zu verpacken wie Banales und Alltägliches. Was er in Zits der Pubertät abgewinnt, übertrumpft er in Baby Blues eigentlich noch in seiner kompromisslosen Darstellung, ja, Aufdeckung der wahren Verhältnisse bei Aufzucht, Hege und Pflege des lieben Nachwuchses. Witzig fand ich seine Strips hier schon immer, seit ich aber selber junger Vater bin, bin ich Fan. Und plötzlich sehen auch Rick Kirkmans Zeichnungen viel besser aus. Vielleicht liegt es an den (auch bei Männern vorkommenden) Hormonschwankungen während der Schwangerschaft, vielleicht an der (auch auf Männer überspringenden) Still-Demenz oder ich hab mich einfach beim Lesen an seinen Stil gewöhnt? Vermutlich liegt es aber daran, dass Kirkmans Zeichnungen im Detail so wahr sind, wie Scotts Texte: wer selber Mutter oder Vater ist, wird jeden am Boden liegenden Socken wieder erkennen, jeden übernächtigten Blick, jede zwischen dem Wunsch die Brut zu meucheln und unendlicher Liebe schwankenden Gesichtsausdruck. Vielleicht würde ich „Baby Blues“ weiter nur gut und irgendwie okay finden, wäre ich nicht selber in die Situation seiner Protagonisten geraten. Vermutlich aber nicht: denn „Baby Blues“ ist ein wirklich gelungener US-Comic-Strip alter Schule. Und von denen gibt es mittlerweile weniger als man denkt ...
Harald Havas

„Strizz“ von Volker Reiche
Von Elke Heidenreichs Sendung im ZDF kann man ja denken was man will, aber die Dame ist heutzutage eindeutig die Richtige, um Bücher zu präsentieren. Literatur hat sich ja in den letzten Jahrzehnten zu einer Frauensache entwickelt, kein Mann mit einem Minimum an Selbstachtung würde ein Buch wie „Die weiße Massai“ oder „Bridget Jones“ auch nur mit der Kohlenzange anfassen. Doch manchmal nutzen eben auch Heidenreichs überemotionale Empfehlungen etwas: Nach ihrer Sendung kletterte Volker Reiches „Strizz“, der Band, in dem das erste Jahr dieses Ausnahmestrips gesammelt wurde, in der Amazon-Bestseller-Liste von der Nummer dreihundertschießmichtot auf Platz zehn. Ein Erfolg, der dem Strip von Herzen zu gönnen ist.
Seit inzwischen etwas über zwei Jahren erscheint „Strizz“ fünfmal die Woche in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) und von Anfang an schlichen sich der Büroangestellte Strizz und seine kleine Familie, der Chef Leo samt Kater Paul, seine Freundin Irmi mit Dackel Müller, der Neffe Rafael und seine umfangreiche Stofftiersammlung, die gerne das „Philosophische Quartett“ nachspielen, in die Herzen der doch meist konservativen FAZ-Leserschaft. Ähnlich wie das große amerikanische Vorbild „Doonesbury“ greift auch „Strizz“ gerne tagesaktuelle Geschehnisse auf, kommentiert die Begebenheiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft, über die auf den anderen Seiten der FAZ berichtet wird. Das ist nicht immer so umwerfend albern, wie die täglichen „Touché“-Strips von ©Tom in der „taz“, aber auf seine recht zurückhaltende und intelligente Art ist „Strizz“ dann mindestens ebenso witzig. Hoffentlich läuft der Strip noch recht lange in der Zeitung, hinter bekanntlich „immer ein kluger Kopf“ steckt.
Lutz Göllner

„Sherman’s Lagoon” von J.P. Toomey
Tiere sind eben doch die besseren Menschen, zumindest wenn sie sich im Mikrokosmos einer Südseelagune aufhalten und damit gezwungen sind miteinander zu leben. Der Hai Sherman, unumschränkter Herrscher dieses Lebensraumes, muss sich daher verdammt zurückhalten und seinen Appetit zähmen. Kein Wunder, dass er manchmal wie ein geborener Looser wirkt und den Spott seiner Mitbewohner stoisch ertragen muss. Wirklich neue, auch international interessante Zeitungsstrips gibt es immer seltener. Da sind Jim Toomeys auch grafisch brillante Geschichten eine erkennbare Ausnahme. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Toomey einen Sinn für gelungene Wortspiele hat, sein Humor ist auch teilweise äußerst derbe und manchmal ziemlich blutig. Kein Wunder, dass Sherman manchmal rot sieht. Aber hinterher tut’s ihm leid, ehrlich.
Lutz Göllner

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Kategorie 2
BESTER DEUTSCHSPRACHIGER COMIC-KÜNSTLER

Jens Harder
An sein Studium möchte Jens Harder nicht mehr gern erinnert werden. Ja, er hat Graphik studiert wie so viele junge deutsche Comiczeichner, aber die wahre Schule des Comiczeichnens war für ihn die Berliner Künstlergemeinschaft „Monogatari“, die Harder gemeinsam mit fünf anderen Kommilitonen im Jahr 2001 gegründet hat. In jenem Jahr präsentierten sie auf dem Berliner Comicfest zum ersten Mal ihre Arbeiten: wunderschön gedruckte Hefte, die einen individuell-dokumentarischen Ton in die deutsche Comicszene brachten, den man bis dahin nur von L’Association aus Frankreich kannte. Harder, als Jahrgang 1970 Senior der Gruppe, hielt sich anfangs eher etwas im Hintergrund, beteiligte sich an allen Gemeinschaftsprojekten, ließ sich aber mit dem ersten ambitionierten Soloalbum viel Zeit. Als er 2003 das Comicfestival von Angoulême besuchte, hatte er seine Mappe im Gepäck, und als er nach Berlin zurückkehrte, hatte er einen Vertrag in der Tasche, mit dem sich kein Geringerer als der Nestor der französischsprachigen Comicforschung, Thierry Groensteen, Harders Geschichte „Leviathan“ für seinen neugegründeten Verlag „édition de l’AN 2“ gesichert hat. Im November vergangenen Jahres ist das Album erschienen und hat Harder sofort in die Spitze der deutschen Comiczeichner katapultiert. Der mit nur einer Zusatzfarbe gedruckte Band knüpft an die früheren Arbeiten von „Monogatari“ an, lässt jedoch im mythischen Erzählduktus einen Künstler entdecken, der seinesgleichen in Deutschland sucht.
Andreas Platthaus

Horus
Horus will Horus bleiben. Der Künstlername maskiert die bürgerliche Identität. Und jetzt hat sich Horus den Namen als Künstler uneingeschränkt verdient, nachdem er viele Jahre lang eher realistische Handwerksarbeit im Genre der Bilderzählung leistete – Umsetzung von Szenarien im Fantasy-Bereich mit derb realistischem Strich, zuletzt das selbst verfasste Epos „Schattenreich“. Darin hat Horus die grafischen und narrativen Topoi der Gattung zum Äußersten getrieben, aber nicht überwunden. Mit seinem neuen Album „Wüstensöhne“ erfolgt jedoch ein Quantensprung. Horus entdeckt sich als skeptischer, melancholischer, ja zynischer Erzähler. Er erzählt von den Schatten des Faschismus, nicht nur in Deutschland. Der Text ist hier nicht weniger gewichtet als das Bild. Zwischen Wort und Illustration entstehen durch ungewohnte Anordnung, durch Architekturzitat, Großaufnahme und Symbolismus neue Spannungen, die dem Leser Einfallstore zur eigenen Reflexion öffnen. Ein neuer Comic-Literat macht von sich Reden.
Herbert Heinzelmann

Ulf K.
Seit Jahren arbeitet Ulf K. an einem großen Farbalbum, das einmal bei Carlsen geplant war und nun irgendwann beim Hausverlag des Zeichners, der Edition 52, erscheinen soll. Doch wenn Ulf K. weiterhin so wunderbare Nebenwerke abliefert, die seinen Lesern die Wartezeit auf das vielbeschworene Opus verkürzen sollen, dann möge er noch lange daran arbeiten. Denn der vierunddreißigjährige Oberhausener, der seit zwei Jahren in Düsseldorf lebt, hat es geschickt verstanden, aus seinen reichhaltigen graphischen Aktivitäten immer wieder kleine publizistische Preziosen entstehen zu lassen, die seinem träumerisch-romantischem Erzählduktus bereits im Erscheinungsbild gerecht werden: dünne Hefte, meist ohne Wort (aber nicht ohne Sprechblasen!) gestaltet und mit einer Zusatzfarbe geschmückt, die den melancholischen Grundton der Geschichten unterstreicht. So ist etwa „Titus von Götheborg“ ausgestattet, eine kleine Sammlung von einseitigen Erzählungen um einen erfundenen Komponisten, die Ulf K. für die „Neue Musikzeitschrift“ gezeichnet hat. Und 2003 hatte er „Floralia“ veröffentlicht, die herzzerreißende Geschichte der Liebe eines Clowns zu einer Blume, die sich gegen die Eifersucht eines Kraftmenschen behaupten muss. Das altertümliche Zirkusmilieu wurde zum idealen Handlungsort für Ulf K.s nostalgisch angelegte Erzählung, die ihn erneut als Meister des Stummcomics vorstellte. Seit er mit „Tango de la Mort“ oder „Der Sterngucker“ seine ersten Erfolge erzielt hat, ist Ulf K. konsequent auf dem eigenen Weg vorangeschritten, hat das Erbe seiner französischen Vorbilder bewahrt und sein spezifisch deutsches ästhetisches Ideal dazugegeben. Dass er damit nur in Frankreich ein Publikum fand, hat sich spätestens mit seinem in der F.A.Z. abgedruckten Fortsetzungscomic „Der Exlibris“ erledigt. Der Prophet gilt etwas im eigenen Land. Und mit der bevorstehenden Publikation seiner gezeichneten Diplomarbeit als Kommunikationsdesigner, die diesmal in ganzseitigen Einzelbildern die Sternen- und Liebesnächte à la Ulf K. inszenieren wird, steht eine echte Innovation auf dem deutschen Markt bevor.
Andreas Platthaus

Mawil
Der zweite Vertreter der Berliner Zeichnervereinigung „Monogatari“ unter den Nominierten zum besten deutschen Comiczeichner ist deren Benjamin: Markus Witzel, alias Mawil, gerade einmal 22 Jahre alt. Doch mit „Strand Safari“ und „Wir können ja Freunde bleiben“ hat Mawil bereits zwei Arbeiten veröffentlicht, die Maßstäbe für autobiographisches Comicerzählen in Deutschland gesetzt haben. Sein auf den ersten Blick schlichter Zeichenstil verbirgt eine Virtuosität in der Anlage der Seitenarchitektur und des Szenarios, die hierzulande ungewöhnlich sind. Der extrem persönliche Stil, in dem Mawil erzählt, setzt auf eine subtile Balance aus Melodramatik und Humor, die ein Porträt der Generation von Anfangzwanzigjährigen entstehen lässt, dem man jedes Bild und jede Wendung glaubt. Dass der Zeichner dabei auf alltägliche Adoleszenzgeschichten setzt, die er mit leichter Hand in Szene zu setzen weiß, lässt in vollends zum Sonderfall in einer Comicszene werden, die sich lieber aufs Metaphysisch-Schwere verlegt denn aufs Alltagsleben. Dabei lässt die Vielfalt der Aktivitäten Mawils, der auch schon für die „taz“ gezeichnet hat, einen ausgekochten Profi vermuten, dessen Karriere schon viel länger als die drei Jahre gewährt haben müsste, die „Monogatari“ jetzt besteht. Doch Mawil beherrscht wie kein anderer deutscher Zeichner die Kunst, populär zu arbeiten, ohne dabei die Marotten preiszugeben, die ihn als extrem persönliche Stimme im Comic auszeichnen.
Andreas Platthaus

Volker Reiche
Wer sich noch nicht allzu lange in der deutschen Comicszene bewegt, könnte auf den Gedanken kommen, Volker Reiche sei ein hoffnungsvolles Jungtalent. Dabei ist der 1944 im brandenburgischen Belzig geborene bereits seit 35 Jahren in der Branche tätig. Nachdem Reiche Ende der 60er Jahre die US-Underground-Zeichner entdeckt hatte, hängte er sein Jurastudium an den Nagel und reüssierte als Comic-Künstler. Er arbeitete bereits für „Pardon“ und die kurzlebige Satirezeitschrift „Hinz & Kunz“ (hier kann man bereits eine frühe Vorstudie für den „Strizz“-Chef Leo treffen), wurde kurzfristig sogar Disney-Zeichner für den holländischen Verlag Oberon. Ab 1985 zeichnet er mit Unterbrechungen bis heute für die Fernsehprogrammzeitschrift „Hör Zu“ die Abenteuer des Redaktionsmaskottchens „Mecki“. Reiches eigene Schöpfung „Strizz“, ein Strip, den man ohne Zögern als deutschen „Doonesbury“ bezeichnen kann, läuft seit dem 21. Mai 2002 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Lutz Göllner

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Kategorie 3a
BESTE DEUTSCHSPRACHIGE COMIC-PUBLIKATION, EIGENPUBLIKATION

„PLAQUE 01“ von Johann Ulrich und Kai Pfeiffer (Hrsg.) avant-verlag
In Zeiten, in denen die großen Verlage ihre Programme immer weiter ausdünnen und anspruchsvolle Comics an den Rand drängen, scheint es kommerzieller Selbstmord zu sein, ein Magazin wie „PLAQUE“ zu machen: Lange, kluge Artikel (Ben Katchor), Interviews mit Künstlern, die wirklich etwas zu sagen haben (Alan Moore, Lorenzo Mattotti), Skizzenbücher und dazwischen Comics für den verwöhnten Geschmack von Oscar Zarate, Igort, Stefano Ricci und Atak, das Ganze wird in Form eines dicken Buches präsentiert, an dem man lange lesen kann. Der „Küchentischverleger“ Johann Ulrich geht dieses Wagnis ein, und wer Comics lesen will, die den Mainstream wirklich nur noch am Rand berühren, der wird hier reich belohnt. Ulrichs Vorbild ist das italienische Magazin „Mano“, und ähnlich wie dort ist die Definition des Genres Comic offen. Das es mit dem vollmundig versprochenen jährlichen Erscheinen nun doch nicht so hin haut, stört auch nicht wirklich. Spätestens zum Salon liegt die seit langem erwartete Nummer 02 vor. Wer offen ist für anspruchsvolle Lesekost, kann sich freuen.
Lutz Göllner

„Held” von Flix Carlsen Comics
Held ist ein ganz und gar außergewöhnlicher Comic. Außergewöhnlich in der Idee eine Comic-Selbstbiographie über den Punkt ihrer Entstehung hinaus fortzuschreiben und so in einer Projektion, eine Biographie des eigenen zukünftigen noch nicht gelebten Lebens zu schaffen. Außergewöhnlich auch im Können und in der Sicherheit der eingesetzten Mitteln. Zwar ist es heute glücklicherweise so, dass man auch von deutschsprachigen Autoren vermehrt Comics auf internationalem Niveau zu sehen bekommt, selbstverständlich ist das aber noch lange nicht. Außergewöhnlich auch in der Genese – nicht weil als Abschlussarbeit entstanden, so etwas gibt es mittlerweile immer wieder, sondern weil es „Held“ nach dem Erscheinen als Heftserie in einem Mittelverlag der Szene (Zwerchfell), als ganzes Buch in das Verlagsprogramm eines der führenden Comic-Großverlage (Carlsen) geschafft hat. Außergewöhnlich auch, weil man als Leser über eine der Nostalgie-Retro-Ecke und amourösen Fehlschlägen zuzurechnenden Strecke langsam aber unaufhaltsam in den privaten Kosmos eines teil-erfundenen Menschen, seiner Sorgen, seiner Vorlieben und Obsessionen hineingezogen wird, bis man emotional nicht mehr herauskann aus dem Lebensstrudel des Protagonisten und mit ziemlicher Sicherheit seinen vorprogrammierten Abgang nicht ganz tränenlos überstehen wird. Dem Zeichner und Autor Flix ist mit „Held“ etwas ganz besonderes, eben etwas Außergewöhnliches gelungen. Sollten Sie diesen Band noch nicht kennen, verstehen Sie diesen Nominierungstext bitte als dringende Leseempfehlung!
Harald Havas

„Leviathan“ von Jens Harder editions de l’AN 2
Dieses Album dürfte das erste Beispiel für eine Nominierung in der Rubrik „Beste deutschsprachige Eigenpublikation“ sein, die außerhalb des deutschen Sprachraums verlegt worden ist. Und gewiss auch die erste, die gleich viersprachig daherkommt. Auf deutsch, französisch, englisch und japanisch. Doch das Thema rechtfertigt diesen internationalen Anspruch, denn der Berliner Zeichner Jens Harder erzählt nicht weniger als einen universalen Lebenszyklus, den er um die Figur eines Walfischs arrangiert. Damit knüpft Harder explizit an Bibel, Thomas Hobbes oder Herman Melville an, und auch sein Leviathan ist eine schreckenerregende Gestalt, der allerdings die Menschheit als nicht minder fürchterliche Spezies beigegeben ist. Sintflut und „Titanic“ erzählen bildmetaphorisch-stumm von menschlicher Hybris, während der Wal seinen einsamen Kampf gegen realistisches und allerlei Sagengetier ausficht. Harder hat sich aus dem Mythenschatz ebenso bedient wie bei literarischen Vorbildern, und ihm gelingt ein Arrangement dieser Zitatenvielfalt, das zu einer neuen schlüssigen Erzählung wird. Dass ihm zu diesem Szenario eine kongeniale graphische Umsetzung gelang, ist weiß Gott nicht selbstverständlich in einer Comic-Kultur, die Schwere gerne mit Gewicht verwechselt und deshalb wenig übrig hat für spielerisches Erzählen, wie Harder es hier bei aller Ernsthaftigkeit betreibt. Dass ausgerechnet Thierry Groensteen, der bisher nicht als Liebhaber deutscher Comics aufgefallen war, sich dieses Juwel für seinen Verlag gesichert hat, beschämt seine deutschen Konkurrenten. Doch ob sie überhaupt ein Album von solcher Perfektion in der Ausstattung zustande gebracht hätten, darf man wohl bezweifeln.
Andreas Platthaus

„Kunsttheorie versus Frau Goldgruber“ von Nicolas Mahler edition selene
Heimlich still und leise hat sich Nicolas Mahler zu einem der bedeutendsten deutschsprachigen Comic-Künstler entwickelt. Der Wiener, dessen Arbeiten immer noch mehr in Frankreich oder Kanada publiziert werden als in deutschen Landen, hat mit seinem minimalistischen Kritzelstil voll von dicken oder sehr langen, stets aber gesichtslosen Protagonisten mittlerweile eine erstaunliche Bandbreite an Inhalten umgesetzt. Diese reichen von Kinderbüchern über stumme Kommentare zur ganz normalen Tristesse des Lebens und der Liebe und aufs absolute Minimum reduzierte Comic-Strips bis zu originell-witzigen Biographie-Comics. In letztere Kategorie fällt auch das realsatirische Werk „Kunsttheorie versus Frau Goldgruber“. Mahler beschreibt darin autobiographisch unter anderem die Mühen eines Comic-Zeichners beim österreichischen Finanzamt richtig eingeordnet zu werden, oder die Qualen, einen Zeichentrickfilm zu Ende zu bringen, für den man blöderweise schon die Förderung kassiert hat... Der Band entstand als eine Art Katalog zu einer großen Nicolas Mahler gewidmeten Ausstellung, ist aber absolut eigenständig – und sicher einer der witzigsten deutschsprachigen Comics der letzten Jahre.
Harald Havas

„Wir können ja Freunde bleiben“ von Mawil Reprodukt
Mawils Album, erschienen bei Reprodukt, war zweifellos die größte Überraschung des Comicjahrs 2003. Kaum jemand kannte den jungen Berliner Zeichner, der sich da mit einem Schlag als individuelle Stimme von einer Qualität vorstellte, die man in Deutschland selten findet. Berichtet wird in drei großen Kapiteln, einer Ouvertüre und einem Epilog die Geschichte einer Jugend. Der Erzähler, schon durch den Namen als Alter ego des Zeichners ausgewiesen, schildert seine mehr oder minder skurrilen Kontaktaufnahmen zum anderen Geschlecht, und wie Mawil dabei auch noch Reminiszenzen an die Kindheit zu DDR-Zeiten und ostdeutsche Emanzipationsbemühungen der neunziger Jahre einfließen lässt, das ist meisterhaft umgesetzt. Dazu hat er einen Zeichenstil gewählt, der an Funny-Traditionen anschließt, aber durch geschickte Grauabstufungen alles bloß Skizzenartige kaschiert. Das Verblüffendste jedoch an „Wir können ja Freunde bleiben“ ist die Konsequenz, mit der Mawil seine Seiten gestaltet hat: als relativ streng durchgehaltenes Schema von drei Reihen à drei Bildern, das er aber immer wieder einmal durch einzelne größerformatige Panels durchbricht oder derart komponiert, dass die neun Einzelbilder sich zu einem großen ergänzen. So rhythmisiert die Seitenarchitektur die Geschichte ständig neu, lässt erzählerische Ruhepunkte durch graphische Großzügigkeit entstehen und schafft gerade durch das gelegentliche Aufbrechen der strikten Layout-Vorgabe auch Distanzierungen, die den Wechsel der Zeitebenen innerhalb der Geschichte leichter nachvollziehbar machen. Mawil ist mit seinem Album etwas geglückt, was man im deutschen Sprachraum kaum erhoffen durfte: federleichtes Erzählen bei versiertester Gestaltung.
Andreas Platthaus

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Kategorie 3b
BESTE DEUTSCHSPRACHIGE COMIC-PUBLIKATION, IMPORT

„5 ist die perfekte Zahl“ von Igort avant-verlag
Manche Panels scheinen eine große Stille auszustrahlen, eine Stille, wie sie kurz vor einer Explosion entsteht. In andere Panels brechen die Träume mit infantilisierten Formen ein, wie man sie aus Mangas kennt. In wieder anderen Panels dominiert die Nacht mit tiefschwarzen Schatten. Die Stimmung, die Igort in seine Bilder legt, ist ein entscheidendes Kriterium für den Wert des Albums „5 ist die perfekte Zahl“. Das zweite Kriterium ist die Story. Hart, voller Kanten doch auch voller Schmerz, ereignet sie sich im neapolitanischen Mafia-Milieu. Es ist eine konsequente Rachegeschichte. Die Rache aber schlägt dem Rächer tiefe Wunden. Mit „5 ist die perfekte Zahl“ ist Igor Tuveri, der mit Igort zeichnet, nach langen Jahren der zeichnerischen Arbeit in Japan zu seinen italienischen Wurzeln zurückgekehrt. Er hat eine eindrucksvolle Geschichte geschrieben und sie lakonisch in Duochrome-Technik umgesetzt. Die deutsche Edition durch den avant-verlag ist nicht nur sorgfältig, sondern fast eine Liebeserklärung an ein Comic-Buch seltener Qualität.
Herbert Heinzelmann

„Naru Taru“ von Mohiro Kitoh Egmont vgs / EMA
Viele Manga sind besser als ihr Ruf. Denn immer noch besteht die Reaktion heimischer Nicht-Comic-Leser sowie Anhänger europäischer beziehungsweise franko-belgischer Comic-Kultur auf die Flut der seltsamen schwarzweißen Taschenbücher in mildem Erstaunen, heftigen Kopfschütteln bis hin zu glatter Ablehnung. Und es stimmt ja auch: viele Manga sind einfach Trash, klassische „Tschinn-Bumm“-Geschichten der unter(st)en Schublade, voll von Klischees, Gewalt und angedeuteter bis opulent-schwülstiger Erotik. Aber das sind eben nur einige. Denn Manga sind in Japan ein allgegenwärtiges Medium – gelesen von jeder Altersgruppe, jeder sozialen Schicht. Daher gibt es neben ziemlichem Schund und guter Trivialunterhaltung auch so manches, das intellektuell anregend oder künstlerisch wertvoll ist. Wie bei jedem gesunden Medium, in dem es neben viel van Damme eben auch Godard oder Fellini gibt. Wer danach sucht, wird auch in der deutschsprachigen Manga-Produktion solche Perlen finden. Wie etwa Naru Taru. Vordergründig könnte man die Serie leicht mit anderen über einen Kamm scheren: Schulmädchen mit fantastischen Kräften, Science Fiction, Gewalt und auch Nacktheit. Dennoch ist alles anders. In wunderschönen oft lyrisch wirkenden, immer extrem emotionalen Bildern erzählt Mohiro Kitoh von Kindern und Teenagern, die auf eine geheimnisvolle Weise mit saurierähnlichen Flugdrachen verbunden sind, die sich auf geistigen Befehl hin in alles Erdenkliche verwandeln können – sogar in tödliche Waffen. Doch das ist nur eine Ebene. Die andere ist die der Protagonisten, deren Gefühle, Ver- und Entwicklungen, die von familiären Beziehungen bei Scheidungskindern bis zu unmenschlichem Mobbing unter Schülerinnen reichen. Und hier verlässt Kitoh auch die Ebene der normalen Spannungslektüre und dringt in Bereiche ein, die (dem Leser) weh tun. Nicht durch Zufall sind die Naru Taru-Bände in der Erwachsenenschiene von EMA erschienen. Für viele Szenen von Sadismus und Unterdrückung unter Schülerinnen benötigt man starke Magennerven. Dabei steht aber nicht vordergründige Gewalt a la Horror-Splatter-Movies im Zentrum der Darstellung, sondern psychisches Leid, wie es noch selten so drastisch in Comics zu lesen war. Die Serie läuft noch. Auf ihr Ende darf man gespannt sein.
Harald Havas

„Berlin – steinerne Stadt“ von Jason Lutes Carlsen Comics
Naja, dit is schon meer als unjewöönlich, dit son kleener Ami äne Jeschichte erzäält, die im Bärlin der 20jer Jaare spült. Dasu kommt, dit diesa Djäson Lutes nich nur die janze Story, sondern ooch die Hinterjründe ausjesprochen jut reschaschiert hat. Fier Jaare, so sachter, hatter nur jelesen, jesammelt und übalecht, beforer denn den Bleistüft zum ersten Mal uffs Papier jesetzt hat. Watt dabei rauskam is härzallerliebst uffder eenen Seite, wennet nämlich um die Liebesjeschichte zwischen den ollen Jornalüsten Kurt Severing und die junge Künslerin Marthe Müller jeht. Aba uff der anderen Seite trifft Lutes ooch die Atmosfäre vadammt jut: Herrschaften, stellen se sich mal for, Berlin am Ende von die rooring twenties, wie wir multilingualen so saajen, die Wirtschaftskrise wütet, die Reichen werdn immer reicher und die Armen immer ärmer. Die Weimarer Republik is am Ende, die Menschen vertrauen die Rejierung einfach nich meer. Keen Wunda, det sich sich den Extremisten zuwenden. Durch die Straßen von Berlin marodiern schon die Braunhemden, und ooch die Kommunisten wollen dit Land für imma verändan. Vor dem Hinterjrund erzäält Lutes die Jeschichten von vaschiedenen Menschen, imma mit janz fiel Jefühl und immer mittet Wissen: Dit würd allet böse enden.
Lutz Göllner
siehe auch Ausstellung Jason Lutes – Berlin. Steinerne Stadt

„The League of Extraordinary Gentlemen” von Alan Moore und Kevin O’Neill Verlag Thomas Tilsner / Speed
Die Geschichten um „The League of Extraordinary Gentlemen“ sind ein wunderbar postmodernes Spiel mit viktorianischen Pulp-Helden wie Allan Quatermain von Henry Rider Haggard oder dem Wissenschaftler Dr. Jekyll mit seinem monströsen alter ego Mr. Hyde von Robert Lewis Stevenson. Der geniale britische Comic-Autor Alan Moore hat sie zu einer ironischen Task Force in einem von Kevin O’Neill leicht karikiert und zugleich schauerlich schön entworfenen London versammelt. Damit macht man sich einen Witz auf amerikanisches Superhelden-Getue. Denn die wahren Heroen mit zum Teil höchst außergewöhnlichen Fähigkeiten lebten bereits in Großbritannien an der Wende zum 20. Jahrhundert. Moore und O’Neill treiben ihr aufregendes Vexierspiel mit ebenso literarischem wie comicologischem Kenntnisreichtum auf intelligente Spitzen, die Genre-Kritik und Genre-Leidenschaft in einer heftigen Umarmung vereinen, und fordern damit auch den Leser als Kenner, weil ihm sonst der größte Teil des Lektüre-Vergnügens entgeht.
Herbert Heinzelmann

„Persepolis“ von Marjane Satrapi Edition Moderne
Als 2001 beim Pariser Verlag „L’Association“ der erste Band der Serie „Persepolis“ erschien, konnte die Comicwelt mit dem Namen der Zeichnerin wenig anfangen: Marjane Satrapi hatte bis dahin einige Kinderbücher gezeichnet und arbeitete in einem Atelier neben einigen der Association-Größen, aber mehr Berührung zum Comic war da nicht. Doch die Geschichte ihrer Kindheit im Iran zur Revolutionszeit begeisterte nicht nur durch die konsequent durchgehaltene kindliche Perspektive, sondern auch durch die zwar schlichten, aber gerade darum der Erzählung so angemessenen Zeichnungen, die zudem immer wieder meisterhafte Arrangements und ein höchst geschicktes Spiel mit den drastischen Schwarzweiß-Kontrasten aufweisen. Das französische Publikum dankte es mit einer Auflage von mehr als zweihunderttausend Alben, doch es musste erst die Zürcher Edition Moderne kommen, um dieses Meisterwerk des autobiographischen Comics auch im deutschen Sprachraum zugänglich zu machen. In dem prachtvoll ausgestatteten und sorgfältig übersetzten Band sind die ersten beiden französischen Folgen von „Persepolis“ enthalten, die Marjanes Erlebnisse bis zu ihrer Ausreise nach Westeuropa im Jahr 1983 beschreiben, und man kann nur hoffen, dass alsbald auch die beiden weiteren in Frankreich erschienenen Alben, die ihre Ankunft in Österreich und die folgenden Jahre in Frankreich schildern, bald übersetzt werden. Es gibt nicht viele Frauen in diesem Metier, und noch weniger von ihnen haben der männlichen Konkurrenz derart den Rang abgelaufen wie die junge Marjane Satrapi. Man hat als Leser nicht häufig Gelegenheit, unmittelbar zuzusehen, wie Comicgeschichte geschrieben wird. „Persepolis“ aber bietet eine solche Chance.
Andreas Platthaus
Siehe auch Ausstellung Marjane Satrapi – Persepolis

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Kategorie 3c
BESTE DEUTSCHSPRACHIGE COMIC-PUBLIKATION FÜR KINDER UND JUGENDLICHE

„W.I.T.C.H.“ von Elisabetta Gnone Egmont vgs / Ehapa Comic Collection
Erst kamen die Manga. Dann kam lange nichts. Und dann kam W.I.T.C.H.. Und bewies, dass man einen Teil der Manga-Zielgruppe durchaus erreichen (und bezaubern) kann mit Comics, die inhaltlich und auch optisch mehr in einer westlichen Tradition stehen, als in einer – immer auch etwas eigenartig fremd bleibenden – fernöstlichen. W.I.T.C.H. übernimmt vom „Magical Girl“-Manga das Geheimnis, dass man auch heute noch, abseits der lange schon in Frieden ruhenden Pferde- und Mädchen-Comics, durchaus Comics für Jugendliche weiblichen Geschlechts machen kann, die von diesen gerne gelesen, ja, geliebt werden. Der Plot – ein Gruppe junger Mädchen entwickelt übermenschliche, magische Kräfte und kämpft fortan gegen das Böse – ist dabei von japanischen Vorbildern entlehnt. Die Charaktere, die Familienbeziehungen, das Umfeld, der Humor und der Italo-Disney-Semifunnstil sind originär westlich, originell und liebenswert. „Zuckerlbunte“ Abenteuercomics für junge Leser(innen)? Sicher – aber auf sehr hohem Niveau.
Harald Havas

„Detektiv Conan“ von Yoshimasa Aoyama Egmont vgs / EMA
Der sechzehnjährige Shinichi Kudo ist ein erfolgreicher junger Detektiv, der für die Polizei schon so manchen kniffligen Kriminalfall gelöst hat. Doch eines Tages legt er sich mit den falschen Leuten an. Er wird von zwei mysteriösen Männern in Schwarz niedergeschlagen und gezwungen, einen vermeintlich tödlichen Trunk zu trinken. Aber anstatt zu sterben, verwandelt sich Shinichi in ein Kind zurück. Er legt sich eine neue Identität zu, nennt sich fortan Conan Edogawa, nach seinen Idolen, den Krimiautoren Sir Arthur Conan Doyle und Ranpa Edogawa, und findet Unterschlupf bei seiner Freundin Ran Mori, deren Vater eine Detektei betreibt. Dabei wird Conan immer wieder in Kriminalfälle verwickelt und kann sein detektivisches Vermögen, wenn auch nur im geheimen, zur Geltung bringen.
„Mentantei Conan“, wie „Detekiv Conan“ auf japanisch heißt, von Yoshimasa „Gosho“ Aoyama, wurde erstmals 1994 in dem Manga-Magazin „Shonen Sunday“ abgedruckt. Aoyama wurde am 21. Juni 1963 in der Präfektur Tottori geboren. Sein erster Manga hieß „Chotto Matte“. Dafür erhielt er 1986 den 19. Shogakukan Inc. Debut Award, ein Comicpreis, mit dem vielversprechende Manga-Talente ausgezeichnet werden. Den bisher größten und auch heute noch andauernden Erfolg hat er 1994 mit „Meitantei Conan“ geschaffen. Dafür wurde er auch im Jahr 1996 mit dem 46. Shogakukan Comic Price ausgezeichnet. Durch diesen Riesenerfolg gehört Gosho Aoyama heute zu den zehn bestverdienendsten Persönlichkeiten Japans und auch heute arbeitet er immer noch an Conan.
SAK

„Benni“ von Bernd Natke Demosthenes Verlag
Benni stottert. Na und? Diese schlichte Kernaussagen vermitteln die komischen Streifen der Heftserie „Benni“, die von der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. herausgegeben wird. Gezeichnet werden die Strips von Bernd Natke in seinem gewohnten, eng an belgische Funny-Größen angelehnten Stil. Aber selten wurde dieser so passend eingesetzt wie eben bei Benni. Die kurzen Ein- bis Vierzeiler entsprechen genau den optischen Vorlieben ihrer Zielgruppe. Der klare Semi-Funny-Stil lässt die Storys realistisch genug wirken, um die teilweise damit vermittelten Inhalte glaubhaft erscheinen zu lassen. Gleichzeitig sind die Zeichnungen witzig genug, um einfach so als amüsante Comic-Strips konsumiert zu werden, ohne dass die Grundproblematik stotternder Kinder zu schwer und schwierig transportiert wird. „Benni“ ist ein Comic, der Betroffenen Mut machen, der Unbeteiligten die Problematik des Stotterns leichtfüßig vermitteln und außerdem auch einfach nur als witziges Heft konsumiert werden kann. Schön, dass die Reihe sehr erfolgreich und beliebt ist. Schön auch, dass sie weiter fortgesetzt wird. Vielleicht macht „Benni“ ja sogar Schule und zeigt auch im an ähnlichen Publikationen nach wie vor etwas armen deutschsprachigen Raum die vielfältigen Möglichkeiten auf, die das Medium Comic gerade im pädagogischen Sektor und bei der Vermittlung sozialer oder medizinischer Probleme zu bieten hat.
Harald Havas

„Usagi Yojimbo“ von Stan Sakai Verlag Schwarzer Turm
Es ist schon mehr als erstaunlich, wie der auf Hawai geborene Stan Sakai seit jetzt 20 Jahren eine gleichhaltend hohe Qualität erhält. 1984 debütierte seine Schöpfung „Leibwächter Hase“ (so lautet die Übersetzung des Namens „Usagi Yojimbo“) in dem Magazin „Albedo“. Vorbild für diese Geschichte war einerseits der Monumentalroman „Musashi“ von Eiji Yoshikawa, den in Japan jedes Kind kennt, andererseits der Manga-Klassiker „Kozume Ôkami“ von Kazuo Koike und Gôseki Kojima. Nur dass Stan Sakai die bewegenden und teilweise brutalen Geschichten eben in Form von funny animal-Comics erzählt. Doch während „Albedo“ und der dazugehörige Verlag längst den Weg alles irdischen gegangen sind, läuft Usagi immer noch herum, inzwischen beim vierten US-Verlag, immer noch auf der Suche nach Ruhe und Frieden in seinem Leben. In den 90er Jahren schon einmal auf deutsch von Carlsen vorgelegt, arbeitet momentan der Verlag Schwarzer Turm an der „Usagi Yojimbo“-Gesamtausgabe. Das Gesetz der Serie besagt ja gerade bei solchen langlaufenden Reihen, dass ihre Schöpfer irgendwann fett und faul werden. Nicht so Stan Sakai: Bei jedem neuen Band erwartet man, dass der ja nun mal irgendwann schwächer werden muss, aber Sakai zieht den Leser immer wieder in seine Welt, das Japan der Shogun-Zeit, bevölkert von mehr oder weniger komischen Tieren.
Lutz Göllner

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Kategorie 4
BESTER INTERNATIONALER SZENARIST

Brian Michael Bendis
Collage-Roman hieß das in den 20er Jahren, und ein Musterfall ist Döblins „Berlin Alexanderplatz“. In eine Fiktion werden Teile der Realität integriert, z.B. Zeitungsausschnitte. Auch eine Comic-Erzählung wird durch Zitate wie Ausrisse und Fotos durchsichtig auf die Wirklichkeit. Mit solchen Collage-Elementen haben Brian Michael Bendis und Marc Andreyko als Autoren von „torso“ den Fall des ersten amerikanischen Serienkillers durchsichtig gemacht. Bendis hat die Geschichte gezeichnet. Jede Seite ist ihm Bühne für eine ungewöhnliche Anordnung der Bildfelder. Inzwischen arbeitet der Mann aus Cleveland mit dem Geburtsjahr 1967 ausschließlich als Szenarist. Er arbeitet mit Helden wie Spawn, Spiderman oder Daredevil, hat aber auch die eigene und eigenwillige Kreation „Powers“ entwickelt. Was Bendis‘ Geschichten qualitativ über den Mainstream der US-Szenarios hebt, ist ihre Orientierung an filmischer Narration, vor allem an den düsteren Drehbüchern des „film noir“. Ein Meister des inneren Monologs ist Bendis außerdem.
Herbert Heinzelmann

Mike Mignola
Vergessen wir mal ganz schnell all die misslungenen Comicverfilmungen des letzten Jahres und freuen uns auf „Hellboy“, der seine Vorab-Premiere hier auf dem Comic-Salon in Erlangen erleben wird. „Hellboy“-Schöpfer Mike Mignola hat persönlich am Film mitgearbeitet und bei den Dreharbeiten in Prag mit Argusaugen darauf geachtet, dass seine Schöpfung respektvoll behandelt wird. Als „Hellboy“ 1993 im US-Verlag Dark Horse debütierte, war er Teil des creator’s-Imprint Legends. Heute ist der Sohn des Teufels, der durch ein verunglücktes Nazi-Experiment auf unsere Erde kam, der einzige noch regelmäßig erscheinende überlebende dieses Projekts. Das verwundert nicht wirklich, denn „Hellboy“ bietet eine wirklich einzigartige, charmante Mischung: Mignolas Zeichnungen sind eindeutig von Jack Kirby beeinflusst, seine Geschichten jedoch lesen sich, als hätte Lovecraft sie geplottet und Ambrose Bierce die Dialoge geschrieben, supergruselig und mit sehr komischen, sarkastischen Kommentaren. Und Mignola ist schlau genug, das Publikum nicht mit zweitklassigem Material zu bombardieren. Auch wenn „Hellboy“ von Fremdautoren geschrieben und gezeichnet wird, Mignola hat immer ein strenges Auge auf seiner Schöpfung.
Lutz Göllner

Joann Sfar
Das Werk von Joann Sfar ist kaum noch zu übersehen; seit er vor vier Jahren erstmals als bester Szenarist in Erlangen nominiert worden ist, sind grob geschätzt vierzig weitere Alben von ihm erschienen, die meisten auch noch selbst gezeichnet. Sfars Arbeitstempo ist unbeschreiblich, und allein seine tagebuchartigen Notizbücher, von denen in Frankreich seit dem Jahr 2002 vier erschienen sind, umfassen zusammen mehr als tausend Seiten. Dass da seine deutschen Publikationen nicht mitkommen, ist wenig überraschend, aber immerhin sind derzeit mit „Donjon“, „Die Katze des Rabbiners“, „Schwarze Oliven“ und „Merlin“ vier Serien erhältlich, die Sfar geschrieben hat. Dass allerdings solche Perlen wie „Professeur Bell“ oder „Petit Vampire“ und „Grand Vampire“ auf deutsch noch fehlen, zeigt den Nachholbedarf gegenüber dem Werk des derzeit produktivsten europäischen Szenaristen. Sfar, 1971 in Nizza geboren, wurde zunächst durch Kinderserien bekannt, erwarb sich aber mit seinen Publikationen bei L’Association alsbald den Status eines Autorenstars. Was auch immer seine Biographie an Besonderheiten bereithält – Sfar macht Geschichten daraus. Seine jüdische Herkunft lieferte ihm den Stoff für kabbalistische Erzählungen und ließ ihn ein besonderes Interesse für jüdische Künstler entwickeln; aus seinen Lesevorlieben für die Abenteuergeschichten des neunzehnten Jahrhunderts schöpft „Professeur Bell“, aus seiner Begeisterung für Computerspiele entstand gemeinsam mit Lewis Trondheim „Donjon“; sein Philosophiestudium regte ihn an, Platons „Gastmahl“ und Voltaires „Candide“ zu illustrieren, und seit Sfar Vater einer Tochter ist, hat er seine eigene Jugendbuchreihe begründet, in der neben den Arbeiten anderer Zeichner mit „Monsieur Crocodile“ ein eigenes Meisterwerk erschienen ist. Kein anderer Szenarist hat ein so breites Spektrum und eine solch überbordende Phantasie. Andreas Platthaus

Rumiko Takahashi
In ihrer Heimat Japan ist die Zeichnerin und Autorin Rumiko Takahashi schon seit vielen Jahren eine der gefeiertsten Stars der Manga. Viele ihrer Arbeiten (Inu Yasha, Maison Ikkoku, Ranma 1/2, Mermaid Saga...) sind auch schon auf Deutsch erschienen und haben sie auch hier zu einer der beliebtesten Mangakas werden lassen. Dabei steht für viele ihrer Fans nicht ihr verhältnismäßig braver und klassischer Zeichenstil im Vordergrund – obwohl sie alle Mittel der Comiczeichenkunst gekonnt einzusetzen weiß. Besonders emotionsgeladene, ruhige Momente, aber aus skurrile menschliche und tierische Charaktere gehören zu den Spezialitäten von Frau Takahashi. Was ihre Serien aber noch viel mehr auszeichnet, ist ihr überquellender Ideenreichtum, ihre glaubhaften und witzigen Dialoge, ihre Fähigkeit papierene Semi-Funny-Figuren zu lebenden, atmenden Menschen zu machen. In Ranma ½ etwa schafft sie es aus einigen wenigen Ingredienzen – magische Verwandlungen, irrwitzige Kampfkunst-Parodien und amouröse Verwicklungen – eine trotz ihrer endlosen Permutationen nie langweilig oder ermüdend wirkende Serie in Dutzenden Bänden zu formen. In Maison Ikkoku wiederum vereint sie Sitcom und Soap-Opera um die Bewohner eines japanischen Mietshauses auf eine Weise, die diese Serie zu einer der international beliebtesten Manga-Serien überhaupt macht. Zwei Beispiele von vielen. Rumiko Takahashi ist eine Ausnahmeautorin. Nicht nur im Bereich der Manga, sondern im Bereich der Comics überhaupt. Harald Havas

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Kategorie 5
SPEZIALPREIS DER JURY

Comic-Website des ORF – http://comics.orf.at
Der seit vier Jahren existierende „Comic-Channel“ auf ORF.at, der Website des österreichischen Rundfunks, bringt täglich einen neuen und in fast allen Fällen neu für diese Website produzierten Comic-Strip – mittlerweile weit über Tausend. Diese fast ausschließlich von österreichischen Zeichnern und Zeichnerinnen geschaffenen Comics – inhaltlich von Humor über Gesellschaftssatire bis Science Fiction und Krimi angesiedelt – haben eine große Fangemeinde im ganzen deutschsprachigen Raum, und können mittels Archiv-Funktion auch nachgelesen werden. Alle österreichischen Comic-Größen von Chris Scheuer über Ronald Putzker und Heinz Wolf bis Nicolas Mahler waren oder sind auf dem Channel vertreten. Abgesehen von der Vielfalt bietet die Site auch ein paar Besonderheiten, die sie von ähnlichen Internet-Projekten unterscheidet: der permanent hohe Frauenanteil an Zeichnerinnen wie Lesern, die angepeilte Zielgruppe von eher über 20jährigen, der prominente Ort auf der Website eines bedeutenden (Medien-)Unternehmens und die Tatsache, dass die Zeichner bezahlt werden, es sich also um eine echte Publikation im klassischen Sinn handelt. Näheres sieht man sich am besten selber an auf http://comics.orf.at
Harald Havas

„The Spirit – Archive” von Will Eisner Salleck Publications
„Bitte laden Sie mich doch auch das nächste Mal ein und prämieren mich als besten Nachwuchskünstler“, bat der damals 77-jährige Will Eisner, als er 1994 in Erlangen den Preis für sein Lebenswerk erhielt. Das könnte nun durchaus passieren, denn seit dem Frühjahr 2000 veröffentlicht der amerikanische Verlag DC, der zur Time Warner-Gruppe gehört, die Reihe „Spirit“-Archive, die Eisners komplette Serie von 1940 bis 1952 sammelt, sorgfältig rekonstruiert, wunderbar koloriert und auf edlem Papier gedruckt. Die deutsche Ausgabe dieser Ausnahmeserie erscheint bei dem Wattenheimer Einmannverlag Salleck Publications und steht der Originalausgabe in Nichts nach. Hier kann ein Klassiker neu entdeckt werden, der ganze Generationen von Zeichnern und Autoren als Vorbild diente. Nicht umsonst sagt man über Eisner, er sei der „Orson Welles der Comics“. Und siehe da: Der „Spirit“ ist ganz ausgezeichnet gealtert und funktioniert auch heute noch, fast 65 Jahre nach seinem ersten Erscheinen.
Lutz Göllner

„Sechsunddreißig Ansichten des Eiffelturms“ von André Juillard Salleck Publications
Wenn man einen Gegenstand von 36 verschiedenen Seiten betrachtet, beginnt er, Geschichten zu erzählen. Die Anblicke des Gegenstands verwandeln sich in Ansichten inhaltlicher Natur. Inspiriert von Hokusais „36 Ansichten des Fujiama“ hat André Juillard, eigentlich der Historiker unter den französischen Comic-Künstlern, 36 Perspektiven auf den Eiffelturm in Öl, Kreide und Aquarell festgehalten. Es sind 36 (und mehr, denn es gibt dazu Skizzen und kleine Variationen) Momente in Paris entstanden, Momente, die ein Vorher und Nachher ahnen lassen. Der Eiffelturm, manchmal kaum zu finden auf einem Blatt, dann wieder weit über seine Ränder ragend, wird in einen Zeitfilm versetzt. Die Zeit vergeht zu seinen Stahlfüßen und setzt Geschichten frei. Das Album „Sechsunddreißig Ansichten des Eiffelturms“ kann man durchblättern wie einen Kunstband im Stil des Fotorealismus. Man kann es aber auch lesen wie eine nachdenkliche Comic-Erzählung über Menschen und Dinge in einer großen Stadt.
Herbert Heinzelmann

„Jimmy das Gummipferd“ von Rohland Kohlsaat Lappan
In den Zeiten, als Comics den meisten Erwachsenen in Deutschland noch als Teufelszeug galten, durften viele Kinder eine Bildergeschichte ohne elterliches Stirnrunzeln genießen. Es war die Geschichte von „Jimmy dem Gummipferd“, die allwöchentlich in der Kinderbeilage der Illustrierten „Stern“ erschien. Seit 1953 wurde sie von Roland Kohlsaat getextet und gezeichnet, zuerst in abgeschlossenen Einzelfolgen, ab 1956 als endlose Fortsetzungsgeschichte. Kohlsaat schickte den Gaucho Julio und sein aufblasbares Reittier auf eine abenteuerliche Reise durch alle denkbaren Landschaften der Phantasie. Sie endete erst 1977, kurz vor Kohlsaats Tod. „Jimmy das Gummipferd“ ist eine sympathische und geistreiche Pionierleistung in der deutschen Comic-Historie. Das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover hat sie aus der Vergessenheit an seine Ausstellungswände geholt. Der von Hans Joachim Neyer eingerichtete Katalog ist ein veritabler Comic-Reader, in dem man einfach und vergnügt nachlesen kann, was Jimmy einst erlebte.
Herbert Heinzelmann

Wilhelm-Busch-Museum Hannover
Niemand in Deutschland außer dem Erlanger Comic-Salon hat als nichtkommerzielle Institution so viel für das Medium geleistet wie das Hannoveraner Wilhelm-Busch-Museum. Beginnend mit einer Morris-Ausstellung 1998 hat das Haus in regelmäßigen Abständen Größen der deutschen und internationalen Comicgeschichte präsentiert: Carl Barks, Hergé, e.o. plauen, Roland Kohlsaat oder erst in diesem Jahr Hans Traxler und den Max und Moritz-Preisträger Bernd Pfarr. Diese Schauen sind nicht nur vorbildlich gestaltet, sondern sie werden meist auch ergänzt um vom Museum zusammengestellte Kataloge, die etwa im Falle der Hergé-Ausstellung eine der schönsten Monographien zur Comicgeschichte überhaupt hervorbrachten und mit den Begleitpublikationen zu e.o. plauen und Roland Kohlsaat neue Maßstäbe für deren Werkveröffentlichung setzten – der Kohlsaat-Katalog ist sogar separat für den diesjährigen Spezialpreis der Jury nominiert. Unter der Leitung von Hans Joachim Neyer und Gisela Vetter-Liebenow hat das Wilhelm-Busch-Museum, das von einem privaten Verein getragen wird, eine Kontinuität in der wissenschaftlichen Aufbereitung wie Präsentation von Comics erreicht, die es auch international zu einem der diesbezüglich führenden Häuser macht. Und das zu einem Zeitpunkt, wo die vor wenigen Monaten abgeschlossene Renovierung seines Domizils, des barocken Wallmoden-Palais, die organisatorische wie finanzielle Leistungsfähigkeit über Jahre hinweg aufs äußerste angespannt hat.
Andreas Platthaus

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SONDERPREIS FÜR EIN HERAUSRAGENDES LEBENSWERK

Albert Uderzo – Der Witz aus dem Stift
Vielleicht ist der Max und Moritz-Preis des Internationalen Comic Salons Erlangen für das Lebenswerk ja nicht mehr als eine Dreingabe, wenn man dafür schon einen „Preis des Jahrtausends“ in Angoulême bekommen hat. Doch er bezeugt, dass Begeisterung und Respekt dem französischen Nachbarn Albert Uderzo auch von Deutschland aus bekundet werden. Die Begeisterung, die immer noch anhält, gilt hierzulande seit 1967 einem antiken Gallier (vorher hatte man uns im Kauka Verlag ja weis machen wollen, er sei Germane und heiße überdies noch Siggi), einem Helden, auch wenn er selbstironisch klein gehalten ist, einem Sternchen (denn so lässt sich sein Name gültig übersetzen), das zum Star wurde. Sie gilt Asterix.
Der Respekt wird einer Leistung gezollt, die kaum hoch genug einzuschätzen ist. Es ist die Leistung, sichtbares Vergnügen bei der Lektüre von Comic Strips auf die Gesichter erwachsener Menschen gezaubert zu haben, ohne gleichzeitig den Kindern beim Blättern den Spaß zu verderben. Mit einem Asterix-Album in der Hand trauten sich volljährige Deutsche Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts erstmals in aller Öffentlichkeit zu dem zu stehen, was kurz zuvor noch, verurteilt als Schund und Schmutz, dem Analphabetismus Vorschub leisten sollte. Gerade für die Befreiung des Comic-Lesers von der unsinnigen Scham über seine Leidenschaft für Bildergeschichten verdient Albert Uderzo den deutschen Comic-Oscar.
Dabei muss sich die unvermeidliche Frage nach dem Anteil des Zeichners am Erfolg eines Werks stellen, das vor allem in Deutschland wegen seiner szenaristischen Qualitäten anerkannt ist. Asterix wurde und wird geschätzt wegen seiner Handlungskonstruktionen, seiner Wortspiele, seiner satirischen Spiegelungen der Gegenwart in der Antike, seiner parodistischen Potenz. Dafür zeichnet Albert Uderzo aber erst seit dem Tod seines Partners und Texters René Goscinny im Jahr 1977 verantwortlich. Der hatte seit 1959 24 Alben geschrieben, Uderzo hat seither lediglich sieben verfasst.
Aber so einfach liegen die Dinge nicht. Denn was wären die grandiosesten Comic-Dramen ohne überzeugende Charaktere. Und die vermitteln sich im Comic-Medium zuerst über das Bild. Der Autor mag festlegen, Obelix sei ein Choleriker mit sanftem Herzen. Der Zeichner muss die Form dafür finden. Und da ist es gut zu beobachten, wie intensiv Albert Uderzo im ersten Asterix-Band an der Formgebung des Hinkelsteinlieferanten gearbeitet hat. Ist er anfangs noch eher groß und ungeschlacht, so wird er Seite für Seite rundlicher und eigentümlicher, wird zu jenem Charakter, der dem Leser das Wiedererkennen erleichtert, ja, der ihm die Sehnsucht nach dem Wiedersehen ins Auge setzt.
Als Uderzo und Goscinny die unbesiegbaren Gallier kreierten, hatte der Zeichner bereits manche Erfahrung mit stattlichen Figuren gesammelt. Zu den voluminösen Vorgängern von Obelix gehören der Ritter Belloy und der Indianer Umpah-Pah. Schließlich war Uderzo nicht mehr im Stande grafischer Unschuld, als er für die neue Kinderzeitschrift „Pilote“ die rauferischen Gallier erfand. 1927 als Sohn italienischer Einwanderer in der Nähe von Reims geboren, war er schon mit 14 Jahren als Autodidakt ins Gewerbe von Cartoon und Karikatur gekommen, hatte im Folgenden viele Serien gezeichnet, manche auch mit entwickelt, hatte selbst Szenarien geschrieben, meist aber nach denen anderer Autoren gearbeitet, darunter nach Skripten von Jean-Michel Charlier, dem großen Abenteurer der französischen Comics. Mit ihm hatte Uderzo kurze Zeit die technoide Fliegerserie „Tanguy und Laverdure“ gestaltet und damit bewiesen, wie gut er den realistischen Strich beherrscht. Doch der realistische Typ Tanguy blieb bei ihm ohne wahres Leben und ohne überzeugenden körperlichen und mimischen Ausdruck. Der von der Karikatur abgeleitete Sidekick Laverdure dagegen war einer dieser einprägsamen Comic-Charaktere.
Albert Uderzos Talent liegt eindeutig in der Charakterisierung durch Überzeichnung des Typischen, wie man die Karikatur knapp definieren kann. Sie hat in der grafischen Polemik im Frankreich des 19. Jahrhunderts mit Giganten wie Daumier oder Granville eine Tradition vorgegeben, in die sich Uderzo fugenlos eingliedert. Seine Figuration ist selten nur komisch oder bricht erwachsene Perspektiven zum naiven Kinderblick herunter. Vielmehr entdeckt und entlarvt sie durch die Gestaltung. War etwa Majestix in seinen ersten Auftritten ein freundlicher und figürlich mächtiger Dorf-Chef, so hat ihn Uderzo bald auf den Schild gehoben. Und nun ist es genau die Spannung zwischen dem selbstgefälligen Gesichtsausdruck, den der Zeichner der Figur verleiht, und dem schwankenden Boden auf den Schultern seiner wenig zuverlässigen Untertanen, die augenzwinkernd etwas aussagt über die Macht und ihre Ungewissheit.
Uderzos Stift macht Dinge und Zusammenhänge deutlich, beziehungsweise löst im wissenden Übersprung Gelächter aus, ohne dass er dazu auf textliche Vermittlung angewiesen wäre. Allein durch die Wahl der Blickwinkel in den Panels und durch den Wechsel von Großaufnahmen und Totalen macht er die Gerichtsverhandlung in dem Band „Die Lorbeeren des Caesar“ für Kenner zu einer Parodie auf unzählige Courtroom-Movies aus Hollywood. Überhaupt kann Uderzo sehr filmisch erzählen. Die Einleitungssequenz desselben Bandes ist mustergültiger Beleg dafür. Da wird die Handlung angehalten und zurückgedreht. Eine Rückblende wird eingefügt. Selbst wenn die Dramaturgie vom Szenaristen vorgegeben sein mag, glaubwürdig umgesetzt (bis in den Wegfall der Speedlines beim Anhalten der Handlung) wird sie durch den Zeichner.
In dieser Sequenz kommt übrigens auch der Realist Uderzo wieder zum Vorschein. Die Architektur Roms ist genau studiert und ohne jede spöttische Verzeichnung wiedergegeben. Weitere Belege für Uderzos Nähe zum Kino sind die vielen karikierenden Ehrungen von Filmstars (Laurel und Hardy, Bernhard Blier, Kirk Douglas, Sean Connery u.a.) oder die grandiose Umsetzung der Orgien-Stimmung aus Fellinis „Satyricon“ in Szenen aus „Asterix bei den Schweizern“. Ausgesprochen visuelle Gags wie Hieroglyphen in den Sprechblasen von Ägyptern oder das Erscheinungsbild der tradierten Schlagwirkungs-Sterne in Form ihrer Anordnung auf der amerikanischen Fahne auf dem Boden der Neuen Welt sind eine weitere Spezialität Uderzos.
So lässt sich der Erfolg eines Comic-Produktes nicht in Verantwortlichkeiten von Texter oder Zeichner auseinander dividieren. Asterix schlug deswegen so ein, weil hier zwei meisterliche Comic-Potenzen zum Team gefunden hatten. Dass mit Goscinnys Tod ein Teil des Teams wegbrach, musste die Serie schwächen. Dass Uderzo ihr die Prägnanz, Brillanz und den entlarvenden Witz seiner Zeichnungen erhielt, ist ein Verdienst, selbst wenn er seine Aufmerksamkeit in den letzten Jahren sehr auf die Verwaltung eines Asterix-Imperiums mit Filmstudio, Freizeit-Park, Merchandising-Produktion und auf ihre Überwachung gelegt hat. Seine Leistung wird es bleiben, uns das Bild eines kleinen gallischen Dorfes und seiner Bewohner liebenswert gemacht und ihre chauvinistischen und cholerischen Absonderlichkeiten durch karikaturistische Verfremdung zugleich ein bißchen der Lächerlichkeit ausgesetzt zu haben. Schließlich hat er die Ikone geschaffen, die ewig in der Ruhmeshalle der Comic-Geschichte aufbewahrt werden dürfte: die Landkarte Galliens unter der römischen Standarte und die Lupe, die das kleine Dorf in der Bretagne sichtbar macht. So wurde Geschichte plötzlich interessant – und Comics wurden in Deutschland akzeptabel.
Herbert Heinzelmann

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Max und Moritz-Preisträger 1984-2002

Die Preisträger 1984
Bester internationaler Comic-Strip: „Hägar“ von Dik Browne;
Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Chris Scheuer;
Beste deutschsprachige Comic-Publikation: Die Reihe „Comic-Art“ des Carlsen Verlages.

Die Preisträger 1986
Bester internationaler Comic-Strip: „Animal Crackers“ (Knallfroschs Freunde) von Roger Bollen;
Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Matthias Schultheiss;
Beste deutschsprachige Comic-Publikationen: „Macao - Internationale Comics“, Macao Books; „Strapazin“ Comic-Art-Magazin; Loustal/Paringaux, „Verwüstete Herzen“, Verlag Schreiber und Leser; Loriot/Jörg Müller, „Peter und der Wolf“, Verlag Sauerländer.

Die Preisträger 1988
Bester internationaler Comic-Strip: „Mafalda“ von Quino;
Beste deutschsprachige Comic-Künstlerin: Franziska Becker;
Beste deutschsprachige Comic-Publikation: Cosey, „Auf der Suche nach Peter Pan“, Carlsen Verlag.

Die Preisträger 1990
Bester Internationaler Comic-Strip: „Calvin und Hobbes“ von Bill Waterson;
Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Gerhard Seyfried;
Beste deutschsprachige Comic-Publikationen: Miguelanxo Prado, „Der tägliche Wahn“, Ehapa Verlag; Alan Moore/Dave Gibbons, „Watchmen - Die Wächter“, Carlsen Verlag; die Edition Moderne mit den Tardi-Ausgaben; die Edition Kunst der Comics mit „Boxer“;
Spezialpreis Der Jury: Art Spiegelmann für die Holocaust-Geschichte „Maus“.

Die Preisträger 1992
Bester internationaler Comic-Strip: „Neander aus dem Tal“ von Johnny Hart;
Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Ralf König;
Beste deutschsprachige Comic-Publikationen: Régis Loisel, „Peter Pan“, Ehapa Verlag; Frank Le Gall, Reihe „Theodor Pussel“, Carlsen Verlag; François Boucq, „Die Pioniere des menschlichen Abenteuers“, Alpha Comic Verlag; der Carlsen Verlag mit der Reihe „Die Bibliothek der großen Comic-Klassiker“; Lorenzo Mattotti, „Feuer“, Edition Kunst der Comics;
Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk: Alberto Breccia.

Die Preisträger 1994
Bester internationaler Comic-Strip oder Cartoon-Serie: „Die Memoiren von Captain J. Star“ von Steven Appleby;
Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Hendrik Dorgathen;
Beste deutschsprachige Comic-Publikationen: Martin tom Dieck, „Der unschuldige Passagier“, AS Verlag; Nicolas de Crécy/Alexios Tjoyas, „Foligatto“, Ehapa Verlag; Derib, „Red Road - Land der Büffel“, Carlsen Verlag; Jacques Tardi, „Tödliche Spiele“, Edition Moderne; Alastair Graham, „Voll Mond Suppe“, Bertelsmann Verlag;
Bester internationaler Szenarist: Jean van Hamme;
Spezialpreis der Jury: Eckart Sackmann, „Mecki - Einer für alle“, comicplus+;
Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk: Will Eisner.

Die Preisträger 1996
Bester internationaler Comic-Strip: „Mutts“ von Patrick McDonnell;
Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Thomas Ott;
Beste deutschsprachige Comic-Publikationen:
Eigenproduktion: Reinhard Kleist/Roland Hüve, „Lovecraft“, Ehapa Verlag;
Import: Hugo Pratt, „Saint Exupéry - Sein letzter Flug“, Ehapa Verlag; Frank/Philippe Bonifay, „Zoo“, Splitter Verlag;
Sekundärliteratur: Bill Blackbeard u.a., „100 Jahre Comic-Strips“, Carlsen Verlag;
Beste deutschsprachige Comic-Publikation für Kinder und Jugendliche: Yvan Pommaux, „Detektiv John Chatterton“, Moritz Verlag;
Bester internationaler Szenarist: Pierre Christin;
Spezialpreis der Jury: Dr. Dietmar Hahlweg, Altoberbürgermeister der Stadt Erlangen;
Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk: André Franquin.

Die Preisträger 1998
Bester internationaler Comic-Strip oder Cartoon-Serie: „Dilbert“ von Scott Adams;
Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Bernd Pfarr;
Beste deutschsprachige Comic-Publikationen:
Eigenproduktion: „Wüttner“ von Haimo Kinzler, Zwerchfell Verlag;
Import: Paul Karasik/David Mazzucchelli, „Paul Auster's Stadt aus Glas“, rororo;
Beste deutschsprachige Comic-Publikation für Kinder und Jugendliche: Illustrierte Kinderklassiker, Prado, Mazan, Eisner, Ehapa Verlag;
Bester internationaler Szenarist: Neil Gaiman;
Spezialpreis der Jury: François Schuiten/Benoit Peeters, „Führer durch die geheimnisvollen Städte“, Ehapa Verlag;
Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk: Robert Crumb.

Die Preisträger 2000
Bester internationaler Comic-Strip: „Zits“ von Jerry Scott und Jim Borgman;
Bester deutschsprachiger Comic-Strip: „Touché“ von ©Tom;
Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Martin tom Dieck;
Beste deutschsprachige Comic-Publikationen:
Eigenproduktion: Daniel Bosshart, „Geteilter Traum“, Edition Moderne;
Import: Lewis Trondheim, „Approximate Continuum Comics“, Reprodukt;
Sekundärliteratur: Eckart Sackmann, „Die deutschsprachige Comic-Fachpresse“, comicplus+;
Beste deutschsprachige Comic-Publikation für Kinder und Jugendliche: Michel Plessix, „Der Wind in den Weiden“, Carlsen Verlag;
Bester internationaler Szenarist: Alan Moore;
Spezialpreis der Jury: Shane Simmons, „Das lange ungelernte Leben des Roland Gethers“, Maro Verlag;
Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk: Moebius/Jean Giraud.

Die Preisträger 2002
Bester internationaler Comic-Strip: „Liberty Meadows“ von Frank Cho;
Bester deutschsprachiger Comic-Strip: „Perscheids Abgründe“ von Martin Perscheid;
Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Peter Puck;
Beste deutschsprachige Comic-Publikationen:
Eigenproduktion: Moga Mobo, „100 Meisterwerke der Weltliteratur“, Bostel Produktion;
Import: Nabiel Kanan, „Lost Girl“, Lost Comix;
Sekundärliteratur: Marcus Czerwionka (Hg.), „Lexikon der Comics“, Corian;
Beste deutschsprachige Comic-Publikation für Kinder: Ole Könnecke, „Doktor Dodo schreibt ein Buch“, Carlsen Verlag;
Beste deutschsprachige Comic-Publikation für Jugendliche: Carlos Trillo/Laura Scarpa, „Wie im richtigen Leben: Herzstolpern“, Schwarzer Klecks;
Bester internationaler Szenarist: Frank Giroud;
Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk: José Muñoz;
Spezialpreis der Jury: Karl Manfred Fischer, Schöpfer und Leiter des Comic-Salons Erlangen.

In den seltenen Fällen, in denen es persönliche Beziehungen eines Jurymitglieds zu einer diskutierten Publikation gab, hat sich die betroffene Person in der gesamten Abstimmungsrunde enthalten.

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